A84/155
Josef Vyleťal (1940-1989)
TRANSFIGURATION
1981
Öl und Tusche auf Sperrholz, 36,5x27 cm (48x39 cm), signiert und datiert unten in der Mitte "J. Vyleťal 81". Gerahmt. Im zweiten Bild bewegt sich der Prozess der Transformation in die Ebene des Zerfalls des physischen Selbst. Der Körper ist fragmentiert – Beine, Rumpf und Flügel sind getrennt und schwimmen ohne feste physische Bindung im Raum. Dies entspricht den mystischen und alchemistischen Stufen des Sublimatios, der spirituellen "Entmaterialisierung", in der die Materie sich in eine subtilere Substanz verwandelt. Die Befestigung der Flügel am Rumpf des Körpers ist ein klares Symbol der Transzendenz – aber nicht triumphierend, eher ambivalent, wie es bei Vyleťal üblich ist. Die Flügel scheinen nicht engelhaft zu sein, sondern eher chimär, zwischen avian und dämonisch - die Verwandlung ist nicht eindeutig, weder moralisch noch ästhetisch. Während das erste Bild eine Grenze zeigt, stellt dieses einen Übergang dar: Das Subjekt erkennt, dass es, um in eine neue Existenz einzutreten, die alte Identität und ihre physische Hülle aufgeben muss. Der Schatten, der das erste Bild beherrschte, ist hier paradoxerweise geschwächt – der transformierte Körper wirft ihn nicht mehr voll aus. Dies entspricht der Jungschen Symbolik der Erfüllung der Individuation: Die Integration des Schattens führt zu seiner Auflösung. Das Gemälde Transfiguration hat eine starke mentale Verbindung mit Vyleťals Motiv "Marathonläufer" (in verschiedenen Versionen aus den 1970er Jahren). Obwohl nicht formal identisch, arbeiten beide Themen mit derselben Vorstellung vom Körper in extremer Transformation und über menschliche Grenzen hinaus. Im Kontext von Vyleťals Arbeit wird der "Marathonläufer" als Metapher für eine Person verstanden, die die Grenzen ihres physischen Wesens überschreitet, bis zu dem Moment, in dem der Körper aufhört, ein Werkzeug zu sein und zu einem Hindernis wird. Dieser "Lauf über die Grenzen der Macht hinaus" verwandelt sich Vyleťal gerne in ein poetisch-surrealistisches Bild der Grenzüberschreitung – eine Person verwandelt sich durch eigene Anstrengungen in ein anderes Wesen. Die Transformation von 1981 bringt diese Vorstellung noch weiter: Hier wird der Körper nicht mehr transzendiert, sondern zerfällt im Prozess der Transformation. Wo der "Marathonläufer" noch symbolisch mit den Grenzen seines Organismus ringt, hat hier die physische Einheit bereits nachgegeben und das Subjekt in eine andere Form verwandelt. Beide Bilder stellen die Vollendung des schöpferischen Prozesses dar, in dem Josef Vyleťal sein lebenslanges Motiv der menschlichen Verwandlung in höchste symbolische Dichte brachte. Es ist ein kompaktes Diptychon, das Vyleťals Darstellung der Verwandlung des Menschen von einem physischen Wesen in ein spirituelles Prinzip mit außergewöhnlicher Bildkraft und innerer Logik abschließt.
Zustand A.
Erzielter Preis: 200.000 CZK / 8.333 EUR


Tschechisch
Englisch
Deutsch
Keine