A86/012
Markantun de Dominis (1560-1624)
Johann Lancelot
DE REPVBLICA ECCLESIASTICA LIBRI X
Heidelberg, 1618
Format 2°, 34,9x21,5 cm. [11] Bl., 512 Seiten + 9 Bl. Register, auf Lateinisch. Allegorische Kupferstich-Titelseite, Frontispiz mit Bildnis des Autors. Initialen, Friesen, Vignette. Fester Ledereinband, Rücken mit 5 Rippenbünden, Etikette mit Goldschrift und handschriftlicher Markierung. Herausgegeben von Johannes Lancelot in Heidelberg 1618.
Das bahnbrechende lateinische Werk des Erzbischofs von Split, Marco Antonio de Dominis, das die damalige christliche Welt erschütterte. Darin lehnte der Autor die absolute Macht des Papstes scharf ab und schlug eine Reform der Kirche auf der Grundlage der Gleichheit der Bischöfe vor. Der Autor, ursprünglich ein katholischer Erzbischof, floh wegen seiner Ansichten aus Venedig nach England, wo er zum Anglikanismus konvertierte. Das Buch wurde unmittelbar nach seiner Veröffentlichung auf den Index der verbotenen Bücher (Index Librorum Prohibitorum) gesetzt. De Dominis kehrte später auf Einladung des Papstes nach Rom zurück und versuchte, sich mit der katholischen Kirche zu versöhnen. Nach dem Tod von Gregor XV. verlor er jedoch seinen Schutz; im folgenden Jahr warf ihn die Inquisition ins Gefängnis, wo er kurz darauf starb. Der Prozess gegen ihn wurde jedoch auch nach seinem Tod fortgesetzt. Die Inquisition erklärte ihn zum Ketzer und inszenierte im Dezember 1624 ein makaberes Spektakel: Sein Leichnam wurde exhumiert, in einem Sarg auf den Platz Campo de’ Fiori geschleppt und dort zusammen mit seinen Schriften öffentlich auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Für Sammler stellt „De Republica ecclesiastica“ ein außerordentlich seltenes Dokument der Religionskriege dar. Das Werk lehnte nicht nur die Souveränität des Papstes ab, sondern rief auch zur ökumenischen Eintracht im Geiste des Mottos von Einheit, Freiheit und Liebe auf.
Angesichts des Alters sehr gute Erhaltung. Auf vorderem Endblatt Ex-Libris aus Duxer Bibliothek mit Initialen I:G: G:V:W: (wohl Jan Josef Graf von Wallenstein, 1684-1731) von A. Birckhardt, auf dem Vorsatzpapier Eigentumsstempel "Lehrerbibliothek des k. k. Staatsgymnasiums", auf Titelseite schwierig lesbarer Stempel "K. K. GYMNASIALBIBLIOTHEK IN ?" und andere kleine handschriftliche Notizen.
Auktionsaufgeld beträgt 22%.


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