A81/003
Jiří Strejc (1536-1599)
ŽALMOVÉ ANEB ZPĚVOVÉ SVATÉHO DAVIDA V RYTMY ČESKÉ NOVĚ VYLOŽENÍ A K ZPÍVÁNÍ ZFORMOVANÍ
Kralitz, 1596 (?)
Format 16°, 11,1x7,1 cm. 575 S., Tschechisch. Notation, Initialen, Kopfleisten, Vignette. Etwas Jüngerer fester Vollledereinband mit Schließe, eingepresstes Rokokodekor, Rücken mit 2 Rippenbünden, wohl aus der 2. Hälfte des 18. Jh. Auf vorderem Endblatt handgeschriebene Notizen über das frühere Schicksal des Buches: "Sua sponte attulit Mathias Polacžek molitor in Austraschin, aliter Stoklasa, an. 1779 . dimisus ac carceribus Pilgramiensibus / attulit die 10. 9bris / (...) post reditum e carceribus Pilgramiensibus praevie etc hoc libro proditur apud brachium saeculare per examen Josephi Brchan, qui (...). Daroval knihovně školy židlochovské Toušek mistr zednický v Židlochovicích 1857..." und Unterschrift von "Jan Boj. Fáborský kaplan Židloch." (J. Fáborský, 1818–1891). Auf einer der vorderen Vakatseiten 2 Stempel "VOLKSSCHULE SEELOWITZ". Einband mit Gebrauchsspuren, ebenso wie das vollständige Buchblock. Ältere Reparaturen, mehrere Paginierungsfehler, ohne Titelseite, zwischen den S. 8 und 13 sind 4 leere Blätter, Bl. 437/8-441/2 und Register inkomplett; im Text stellenweise handgeschriebene Notizen. Papier etwas bräunlich, abgegriffene Blattränder, gefaltete Ecken, Insektenschäden.
Matěj Poláček, bzw. Stoklasa, von Austraschin, und Josef Brchan werden in der Diplomarbeit von Z. Diepoldová erwähnt: Okruhy témat sledovaných ve výslechových protokolech tajných nekatolíků z Pelhřimovska z konce předtoleranční doby, Abteilung für Archivwissenschaft und GHW FF JČU, Budweis 2024. Der Müller Matěj Stoklasa oder Poláček von Austraschin ein verbotenes Buch von seinem Vater aufbewahrte und eine Kolporteurin von verbotenen Büchern bei sich schlafen ließ, S. 15-16, 49, 79-80, 82. Die Brchans gehörten zu Familien mit einer langjährigen evangelischen Tradition. Ihre Mitglieder wurden wegen des Verdachts des heimlichen Nichtkatholizismus oder anderer Verstöße gegen den orthodoxen Glauben verfolgt. Sie arbeiteten als Kolporteure von verbotenen nichtkatholischen Büchern und als Buchbinder. L. Martínková erörtert in ihrem Artikel den umfangreichen Fall des so genannten „Brchan-Clans“, der in den Jahren 1779-1782 vor dem Pilgram-Strafgericht verhandelt wurde: Dějiny pelhřimovského děkanství v letech 1620 až 1790, in: Vlastivědný sborník Pelhřimovska 12, 2001, S. 3-46. Aus den Verhören von Josef Brchan d. J. am 27. September und 26. Oktober 1779, wo das hier vorgestellte Buch wahrscheinlich erwähnt werden kann: "Šel jsem tenkrát z těch Cakovic, v Moravci jsem nebyl tenkrát, ale na svatého Bartoloměje, jak jsem donesl Kancionál, vzal jsem ty Žalmy a ty Modlitby psaný. - Jaké to byly Žalmy? Kde vydaný? - Nebyly mý, kde jsou tištěný. Jen stálo Kristiána Jiříka, strejce. (...) Do Oustrašína tomu mlynářovi Stoklasovi Žalmy, nemají začátku. (...) Potom, jak jsem mu odved[l] ten Kancionál, jsem zasej dostal do správy Žalmy, malej Kancionálek bez začátků, a psanou knížku. (...) Brchane, jak jest vyhlížely ty Žalmy, co máte u Lindourka? - Malá na 3 prsty tlustá, byly v červený desky pozrezavělý na 2 záponky nově spravovaný. Spravoval je nějakej žák. Začátku nemají, jsou v nich noty tak nauchování. - Poznal byste je, kdybyste je viděl, a demonstrati ipsi et liber a reverendo subcurato Studenensi hac[...] - To nejsou ty. Ty Žalmy jsou jiný, já mu je jen přečetl. Jsou moje. Tyto jsem já mu spravoval, a ty jsou jeho byly zas u mě, a byly taky u mého švagra Lahodného ve mlejně.". (Z. Diepoldová, Výslechové protokoly tajných nekatolíků z Pelhřimovska z konce předtoleranční doby (1739-1781), Bachelorthesis, Abteilung für Archivwissenschaft und GHW FF JČU, Budweis 2021, S. 97-104).
Jiří Strejc Zábřežský war ein mährischer Geistlicher, Mitglied der Brüder-Unität, in der er wichtige Ämter innehatte, aber auch mit deren Führern in Konflikt geriet. Er ist vor allem als einer der Übersetzer der Kralitzer Bibel bekannt. In seinem Denken stand er dem calvinistischen Milieu nahe, wo er auch die Inspiration für seine Psalmenparaphrasen fand. Der am weitesten verbreitete und populärste so genannte Genfer Psalter, der von Clément Marot und Théodore de Bèze übersetzt wurde, erschien erstmals 1562 in seiner Gesamtheit. Seine Popularität verdankt er den Melodien verschiedener Komponisten aus dem Genfer Raum, insbesondere dem mehrstimmigen Arrangement von Claude Goudimel. Bald darauf folgte eine Welle von Übersetzungen; die deutsche Fassung von A. Lobwasser war für das tschechische Umfeld von großer Bedeutung, und auch den Autor der tschechischen Fassung, Jiří Strejc, beeinflusste. Er verwendete die Melodien von C. Goudimel aus dem oben erwähnten Genfer Psalter. Strejcs Übersetzung der Psalmen wurde erstmals 1587 in Kralitz veröffentlicht. Die Mehrheit der Bevölkerung in den böhmischen Ländern war im 16. Jahrhundert Analphabeten und begegnete der Literatur daher ausschließlich durch das Hören von Büchern, Predigten oder Liedern. Diese hatten gegenüber anderen Literaturgattungen den Vorteil, dass sie dank des Gesangs leichter zu merken waren. Das Werk erfreute sich bald großer Beliebtheit, die auch nach dem Beginn der Rekatholisierung nach der Schlacht am Weißen Berg. Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts wurde der Psalter mehr als zwanzig Mal veröffentlicht, obwohl er als nicht-katholisches Werk angesehen und in den Index der verbotenen Bücher von A. Konias aufgenommen wurde. Seine Popularität reichte jedoch über die Grenzen des nicht-katholischen Milieus hinaus. Dank des Jesuiten M. V. Šteyer, der einige Kompositionen von Strejc in seinen Kantional (1683) aufnahm, wurde das Werk dieses brüderlichen Geistlichen in den katholischen Drucken des 17. und 18. Jahrhunderts weiter verbreitet. Zwei von Strejcs Kompositionen sind auch heute noch Teil der katholischen Messgesänge und finden sich sogar noch häufiger im zeitgenössischen protestantischen Gottesdienstgesang. Im 19. Jahrhundert wurde das Werk schon auch als literarisches und sprachliches Denkmal des goldenen 16. Jahrhunderts wahrgenommen. Es wurde von J. Dobrovský und J. Jungmann geschätzt und von V. Hanka veröffentlicht. Der Psalm "Kdož ochrany Nejvyššího" verwendete B. Martinů als Grundlage für seine Tschechische Rhapsodie (1918).


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