A84/144
Robert Hliněnský (1908-1979)
STADT
1940er Jahre
Öl auf Karton, 26,5x36 cm (23x46 cm). Gerahmt. Dieses Gemälde von Robert Hliněnský zeigt einen einfühlsamen und zugleich bezeichnend ruhigen Blick auf die städtische Peripherie, die zu einem seiner charakteristischen Motive geworden ist. Das Gemälde basiert auf einer sparsamen Komposition mit Betonung der perspektivischen Tiefe einer verlassenen Straße, deren Leere und weiches, diffuses Licht eine melancholische, fast existenzielle Stimmung erzeugen. Die Farbgebung ist bewusst gedämpft, mit sanften Ocker-, Grau- und Blautönen, die das Gefühl von Leere und Stille unterstreichen. Im Kontext der Brünner Kunstszene der 1940er Jahre kann das Werk als Teil einer breiteren Entwicklung hin zu einer intimeren, innerlicheren Auffassung der Stadtlandschaft verstanden werden. Während sich die Vorkriegsgeneration oft auf die Baudynamik des modernen Brünn, auf den Zivilismus und die lyrische Form der Zwischenkriegsmoderne konzentrierte, brachten die Maler der 1940er Jahre – geprägt von Kriegserfahrungen und der Unsicherheit der Zeit – mehr Introspektion, Stille und psychologische Tiefe sowie soziologische Überlegungen in die Darstellung der Stadt ein. Ähnlich wie bei einigen Werken von František Süsser, Vincenc Makovský in seinen Zeichnungen oder bei den intimeren Ansichten von Bohdan Lacina und Jan Rajlich und nicht zuletzt auch Bohumír Matal aus demselben Jahrzehnt ist die Stadt bei Hliněnský weniger Dokument als vielmehr kulturelle und emotionale Landschaft. Hliněnský erfasst hier nicht das Zentrum, sondern die Grenzen der Stadt, die Ecke, wo sich die Zivilisation in die vagen Strukturen der Vororte auflöst – ein Motiv, das in Brünner Malern als Antwort auf die sozialen und städtischen Veränderungen der Stadt während und nach dem Krieg auftaucht. Die Abwesenheit von Figuren agiert hier nicht als Mangel, sondern als Programm: Sie betont eine verstörende Ruhe, verlangsamte Zeit und eine gewisse Unangemessenheit des Raumes, die eine Präsenz ohne Schauspieler zu bezeugen scheint. Das Ergebnis ist ein Bild, das zu einer sensiblen Aussage über das Verhältnis einer Person zum urbanen Raum in unsicheren Zeiten wird.
Zustand A-B.
Der derzeitige Besitzer erwarb das Werk aus dem Nachlass des Autors.
Erzielter Preis: 6.000 CZK / 250 EUR


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